Die Hofheimer Feldgemarkung war in die drei Feldbezirke; Warthfeld, Hochfeld und Galgenfeld eingeteilt.  Von insgesamt über 730 Bezeichnungen die sich im Laufe der Jahrhunderte durch unterschiedliche Schreibweisen, Differenzierungen auf Grund verschiedener Adjektive teilweise wiederholen, sind hier 411 Belege durch Nummerierung gesondert gekennzeichnet. Davon entfallen 234 Namen auf Äcker, Wiesen, Gärten, Weingärten und Placken. Auf Straßen, Wege und Plätze fallen 60 Namen. Bauwerke, davon einige innerstädtische Objekte, sind mit 59 Namen belegt. Bezugnehmend auf Gewässer, Gräben und Brunnen, wurden 32 Bezeichnungen gesammelt. Die restlichen 23 Flurnamen beziehen sich auf Waldgebiete. Die Schreibweisen wurden eins zu eins aus den Sammlungen übernommen. Die phonetische Transkription aus der Sammlung der Universität Gießen wurde für Sprachinteressierte beibehalten. Ebenso die Quellenangaben aus dem hessischen Haupt Staats Archiv (HSTA). Die Beschreibung der Namen erfolgt im minimalistischen Telegrammstil. Wohlwissend, daß innerörtliche Namen eigentlich keine Flurnamen sind wurden sie, sofern sie historische Aussagekraft besitzen, aus den Sammlungen mit übernommen. Ein großes Gebiet ist heute überbaut, wie zum Beispiel das Hochfeld, von dem keine einzige Flur mehr erhalten ist. Teilweise erinnern noch Strassennamen an die ehemaligen Flurgebiete. Insgesamt werden heute nur noch 65 der alten Flurnamen benutzt. Diese Zusammenführung der 4 Sammlungen dürfte die umfangreichste Flurnamensammlung von Hofheim sein.

Flurnamen die durch Kreuze gekennzeichnet sind, habe ich freundlicher Weise von der Universität in Gießen erhalten. Dort wird seit den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts Flurnamenforschung betrieben. Die zur Zeit aktuellen Flur- und Straßennamen sind mit Blockschrift und Fraktur gekennzeichnet. Leider wurde manche Formatierung bei der Übertragung der Seiten verändert.

Namen mit Abkürzungen L= Lagerbuch,  St= Steinbuch 1723 sind aus der Hofheimer Chronik Heft 1, bearbeitet von Jughenn und Staab entnommen. Ebenso wurde von diesen Herren das Katasterbuch von 1687 benutzt. Belege mit den Jahreszahlen von 1425-1500 stammen aus den Hofheimer Gerichtsbüchern von H.U.Colmar und N.Firle. Nach einer Karte von Dilich, sind 8 Namen verwendet. Die Flurnamen mit dem Datum von 1894 sind auf 12 Kartenausschnitten 1:1000 im Stadtarchiv vorhanden. Leider sind diese Karten nicht komplett, was für die Feststellung der Lagen von Nachteil ist. Weitere Literatur; Hans Ramge: Südhessisches Flurnamenbuch. Joseph Kehrein: Nassauisches Namenbuch sowie Volkssprache in Nassau. Ein Teil der Bezeichnungen stammen aus dem ungedruckten Archiv Kyritz. DWB von Jacob und Wilhelm Grimm.

Die Abkürzungen: Fln.-Flurname, H-Haus, Wi-Wiese, Wg-Weingarten, Pl-Placken, Gt-Garten, kleines a und keine Bezeichnung -Acker. WI-Wiesbaden. mhd. mittelhochdeutsch; ahd. althochdeutsch; fnhd. frühneuhochdeutsch; mda. mundart; G.K.- Gustav Kyritz; J.K.- Joseph Kehrein; J.H. – Joseph Heuser.

1 an der Almey       1456

 Soviel wie Allmende (allgemein), bezeichnet in Gemeindebesitz befindliches Land, das von Ortsbürgern in genau festgelegter Weise genutzt wurde. Meist dicht am Ort gelegen.

2* ALTE-BACH*

AM ALTEN BACH

Om ‘A:lè,bax

Ehemalige Mühlgasse, früheres Bachbett des Mühlbaches. Der Bach floß vorbei an Ober- und

Untermühle, und nach passieren der Kirchgarten Straße wieder in den sogenannten Flutbach.

3* ALTE-BAUM-STUECK *       Hof Hausen

DAS ALTE BAUMSTUECK

das ‘aldè,baUm,SdIg

4* ALTE-BIRN-BAUM*

AM ALTEN BIRNBAUM

Om Aldè ‘bIan,baUm

Ehemaliger  Fln. im Warthfeld. Heute Straßenname am Steinberg.

5 * ALTE-BLEICHE*

ALTE BLEICHE

‘aldè ,blaICè

Früher Wäschebleichplatz im Gebiet des heutigen Busbahnhofes.

6 Alte Straß               L1764, St 1723

 Straße nach Zeilsheim. Der von den Römern angelegete spätere Elisabethenweg.

7 * ALTE-ZEIL*

DIE ALTE ZEIL

di ‘A:l,tsaIl

Zeilgewann

Warthfeld. Grenzweg zwischen den Fluren ‘Hundshag’ und ‘Vorderheide’. Ahd. zila – Zeile, Reihe. mhd. zile, zil- Reihe, Linie, Gasse. Bäume in einer Reihe, Linie. Daneben steht mhd. zil für Dornbusch, Hecke.

 8 * ANGEL*

IM ANGEL

Im ‘aNèl

1555 Wi Im Angel

Q6502 HSTA WI, Abt. 38, Akten Nr. 9., fol.50

1654 Wi im Angel

Q4910 HSTA WI, Abt. 106, Akten Nr. 612., fol.4

inne dem Angel    Wi  1446

uffem Angel          Wi  1470

Angell                     St   1723

Aus dem germanischen  anger, ´Grasland`. Bedeutungsspektrum erweitert sich zu Ackerland, Versammlungsstätte, Marktplatz. Meist aber bezieht sich die Bezeichnung auf dorfnahes Wiesengelände mit Allmende Merkmalen. IM ANGEL, heute ein Straßenname in der Innenstadt. Die Flurbezeichnung ‘Im Angel’, findet man jedoch 1894 an der Hattersheimer Strasse, an der Grenze zu Kriftel.

* ATTICH-GEWANN*

ATTIGGEWANN

‘adIC,gèvan

1654 a in der Atiggewan

Q4910 HSTA WI, Abt. 106, Akten Nr. 612., fol.18

Hochfeld. Attig meint den Zwergholunder wie auch einen Abzugsgraben. Aus einem keltischen Lehnwort wird atech, atich.

10 Atzmühle             Die obere Atzmühle erwähnt 1433, als über 100 Jahre alt.

                                   1709 kam die untere Mühle hinzu.

Von ‘atzen’, beköstigen. Auch die Elster wurde Atzel genannt.

Banmühle für Marxheim. 1981 abgebrochen.

11* ATZ-MUELLER-GRUND*

IM ATZMUELLERGRUND    ?????????

Im ‘atsmIlè,grUnd

Wiesen im Lorsbachtal

12* ATZ-WIESE *

WIESEN IM ATZMÜLLERGRUND

1654 Wi in der atzwissen

Q4910 HSTA WI, Abt. 106, Akten Nr. 612., fol.15′

13  IN DEN ATZMÜLLERWIESEN

14 die Etzelswesse obendig hoveh.  Wi   1433    J.K.  Etz=Weideplatz, Wesse = Wiese

hetzels wiese obendig der Stad Hoefheim und der obern mulen aller nechst by dem  boel gelegen    J.K.

Hetz = Elster

15 Atzmühlenweg   ehemaliger Weg von der Lorsbacherstraße (an der bis 1954 gestandenen Zigeunereiche rechts ab zum Fabrikgelände der ehemaligen Atzmühle/ Kapselfabrik, an den alten Gebäuden vorbei hinauf zum HEINRICHSWEG).

16* AU-RAIN *

IM AREIN

Im ‘A:raIn

1579 Im aurein vgl ARRAIN

Q6468 HSTA WI, Abt. 35, Urk. Nr. 323.

1654 Wi in dem Arrein

Q4910 HSTA WI, Abt. 106, Akten Nr. 612., fol.20′

1654 Wi im marein

Q4910 HSTA WI, Abt. 106, Akten Nr. 612., fol.24′

17 Wiesen im Arein

18 Am Amreyne by den Hern         Wi   1481

Wiesen am Schwarzbach in der Nähe der Burkardtsmühle gelegen. Ar steht für den Bach und Rain bezeichnet den Rand eines Flurstückes. Hier Uferhang und Waldrand. Der Zusatz ‘by den Hern’, deutet auf ein Grundstück der Herrschaft hin.

19* BACH *

1437 hinsit der bach                                                   diesseits der Bach

Q5015 HSTA WI, Abt. 106, Urk. Nr. 215.

1654 a vf die bach

Q4910 HSTA WI, Abt. 106, Akten Nr. 612., fol.1′

1654 Wi zwischen den bächen

Q4910 HSTA WI, Abt. 106, Akten Nr. 612., fol.4

20 an der Badelau 1451

Vielleicht Badeplatz am Bach. Ein Zusammenhang mit Badelaube, einer alten Bezeichnung für die Bolaben Wiesen möglich. s.dort.

 21 by der Baitstoben                   H 1426

     by der alten Baitstoben         H 1484

22 Hinterm Bahn                             1894              Hochfeld

23 Banweg                                    St  1723

Weg zu den Banmühlen im Lorsbachtal. Die einzelnen Ortschaften waren gezwungen (gebannt) ihr Getreide in bestimmte Mühlen zu bringen.

24* BAUER-LOCH*

IM BAUERLOCH

‘baUè,lOx

1555 a Im bauerloch

Q6502 HSTA WI, Abt. 38, Akten Nr. 9., fol.50′

1654 a zu bauerloch

Q4910 HSTA WI, Abt. 106, Akten Nr. 612., fol.3

1654 a zu baureloch

Q4910 HSTA WI, Abt. 106, Akten Nr. 612., fol.1′

Buerloch by dem Lindenborn  1487

gein Burlach zu                        1426

Baldemarus,Vizepleban von Hofheim, schenkt dem Kloster Arnsberg 1301 eine Hofstätte und Äcker in der Gemarkung Burlachins. Ausgegangenes Dorf zwischen Hofheim und Münster.

* BAUER-LOCH-FELD*

1387 vff dem felde gen burlachen

Q5010 HSTA WI, Abt. 106, Urk. Nr. 126.

1437 vff dem felde gein burlachen

Q5015 HSTA WI, Abt. 106, Urk. Nr. 215.

1654 Bauerlöcher felde

Q4910 HSTA WI, Abt. 106, Akten Nr. 612., fol.124

1654 a vber den bauerlöcher pfadt

Q4910 HSTA WI, Abt. 106, Akten Nr. 612., fol.19′

25 Bauerlocher Pfad           erwähnt 1578

26* BAUER-LOCH-WIESE*

BAUERLOECHER WIESEN

‘baUè,lÖCè,vIsè

1654 Neben dem bauerlöcher wissen

Q4910 HSTA WI, Abt. 106, Akten Nr. 612., fol.3

1654 neben dem baüerlöcher wissen

Q4910 HSTA WI, Abt. 106, Akten Nr. 612., fol.3

27 ane dem Berghe           1440           Vermutlich der Kapellenberg.

     vor dem Berg        Wg   1481

28 Bernhartswesen    Wi  1492              Besitzername. wesen-wiesen.

29* BERG-WINGERT*

1316,K. 14.J a hindir bergwingarhin

Q6552 Arnsburger Urbar (Druckfahnen)., fol.66

K,14.Jh. zu bergwingartin

Q6552 Arnsburger Urbar (Druckfahnen)., fol.46

Weingärten am Kapellenberg.

30* BETT-ZUEGE*

‘bEd,tsUx

1316,K. 14.J b : der bette zichin

Q6552 Arnsburger Urbar (Druckfahnen)., fol.66

1437 an der betzichen

Q5015 HSTA WI, Abt. 106, Urk. Nr. 215.